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MieterZeitung August 2010

Starke Stücke

 

Schüsseln mit Botschaft

 

Berlin – Satellitenschüsseln sind Tore zur Welt. Selbst aus den entlegensten Teilen des Globusses empfangen sie Signale. Für Millionen Menschen – auch in Deutschland – stellen sie die einzige dauernde Verbindung zur alten Heimat dar. Der Künstler Daniel Knipping hat ihre Bedeutung jetzt umgekehrt. Per Satellitenschüssel senden nun die Besitzer der Schüsseln Botschaften aus, indem sie ihre Schüsseln mit bunt bedruckten PVC-Folien bespannen.

 

Realisiert hat der Künstler das Projekt an der Hausfassade des Schöneberger Pallasseums in Berlin. In der Wohnanlage aus den 70er Jahren wohnen mehr als 2.000 Menschen aus mehr als 30 Nationen. Die Balkone sind dicht bestückt mit den hässlichen Schüsseln. Jetzt ist dort die erste Satellitenschüssel-Galerie der Welt entstanden. Die meisten Schüsseln sind jetzt bunt. Die Motive wählten die Besitzer selbst aus. Mal ist eine Landschaft, mal Kinder, Puppen oder Blumen zu sehen.

 

Kippling besuchte gemeinsam mit Mitarbeitern des Stadtteilvereins die Bewohner. Nach langen Diskussionen entschied sich jede Familie für ein bestimmtes Bildmotiv.

 

Ob die dahinter steckende Botschaft von allen verstanden wird, ist eher unwahrscheinlich. „Doch wenn die Schüsseln hängen, kann wieder Kommunikation entstehen. Nachbarn können sich über ihre Fotos unterhalten, wenn sie wollen. Austausch ist auch Teil der Kunst“, wird der Künstler in Twitter zitiert.

 

 

Er steht, und steht, und ...

 

Hamburg – Jahrzehntelang warb VW für seinen legendären Käfer mit dem Werbespruch: „Er fährt, und fährt, und fährt ...“ Jetzt taucht plötzlich aus dem Nichts ein Exemplar des Erfolgsmodells auf, auf das dieser Spruch nicht zutrifft. Dieser Käfer stand, und stand, und stand mehr als 30 Jahre in einer Reihenhausgarage in Hamburg.

 

Sein Besitzer hatte ihn einst als „Platzhalter“ gekauft, um seine Garage nicht zu verlieren. Dem Kauf des Käfers ging ein langer Streit mit der Eigentümergemeinschaft voraus. Der Eigentümergemeinschaft passte es Anfang der 70er Jahre nicht, dass die Familie des Käfer-Eigners in der Garage ihre Fahrräder abstellte. Garagen waren damals gebaut worden, um auch tatsächlich die Autos von der Straße zu bekommen. Alles hatte eben seine Ordnung. Und so gaben die ordnungsliebenden Nachbarn endlich Ruhe, als ein nagelneuer Käfer in der Garage parkte.

 

Fahren wollte der neue Besitzer den Käfer offensichtlich nicht. Zwei Jahre später meldete er ihn wieder ab. Gerade mal 228 Kilometer wurde der Wagen in dieser Zeit bewegt.

 

Jetzt steht der VW 1200 L, Baujahr 1974, 34 PS, mit diversen Extras, bei einem Hamburger Autohändler zum Verkauf – als Neuwagen für 24.900 Euro.

 

 

No GAGA in Nippes

 

Köln – Was im Zentrum New Yorks, in Manhattan, längst normal ist, verstößt in Köln-Nippes gegen den Mietvertrag. Während in Amerikas Metropolen das Halten von Hühnern für viele gut Situierte längst zum Trend gehört (die MieterZeitung berichtete in der letzten Ausgabe), muss ein Kölner Mieter und Hartz-IV-Empfänger sein Federvieh wieder abschaffen. So will es der Vermieter, so will es das Kölner Landgericht. Seit zweieinhalb Jahren hält der Mieter die Hühner in einem Verschlag auf dem Balkon. Auslauf haben sie im Garten. Der Hartz-IV-Empfänger hofft nun auf kostenlosen Anwaltsbeistand, um den Rechtsweg weiter beschreiten zu können.

 

 

Letzte Frist

 

Forst – Eigentlich sollte der zu einer Wohnung umgebaute Dorfkonsum im Spremberger Ortsteil Weskow (Spree-Neiße) längst dem Erdboden gleichgemacht sein. Doch der zuständige Landrat versuchte noch einmal eine außergerichtliche Einigung mit dem Eigentümer-Ehepaar. Dies ging aber schief, und nun soll vom 8. September an abgerissen werden.

 

Der Streit um das Gebäude hält seit 15 Jahren an und beschäftigt Behörden und Gerichte. Ein Nachbar des Dorfkonsums hatte erfolgreich gegen die Baugenehmigung des Landkreises zur Aufstockung des Gebäudes geklagt. Und weil der Landkreis es versäumte, rechtzeitig Rechtsmittel einzulegen, wurde das Urteil rechtskräftig. Vor sechs Jahren verfügte das Gericht dann den Abriss des Gebäudes.

 

Die Eigentümer fordern zu Recht eine Entschädigung durch den Landkreis. Der war zuletzt bereit, der Familie insgesamt 200.000 Euro zu zahlen. Die Familie fordert 500.000 Euro. Sie will nicht ausziehen, bevor sie nicht ausreichend entschädigt wird. Jetzt droht die Zwangsräumung.

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Ausgabe August 2010

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