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MieterZeitung Juni 2010

Starke Stücke

 

Loggia unter Beschuss

München – Weil ihre Wohnung zweimal beschossen worden war, weigerten sich die Mieter, die volle Miete in Höhe von 1.520 Euro an den Vermieter zu bezahlen und behielten für sechs Monate jeweils 300 Euro ein. Ein verärgerter Nachbar schoss vermutlich auf Tauben.

 

Das Amtsgericht München (Az: 412 C 32850/08) hielt die Mietminderung grundsätzlich für rechtmäßig. Da gegen die Tauben in der Zwischenzeit aber Abwehrvorrichtungen installiert wurden, begrenzten die Richter den Zeitraum der Mietminderung für die Zeit, als es die Taubenabwehr noch nicht gab. Bis zu diesem Zeitpunkt sei die Nutzung der Loggia sowohl durch die Gefahr von Schüssen als auch durch viel Taubenkot erheblich beeinträchtigt gewesen, urteilte das Gericht.

 

Für ein bisschen Gesellschaft

Hamburg – Anfang des Jahres bot ein Hamburger Ehepaar aus Eidelstedt zwei Zimmer mit Bad unter der Rubrik „Zu verschenken“ an. Die beiden über 80-jährigen Eigentümer wollten sich so „Gäste ins Haus einladen“, damit sie nicht so einsam seien wie heute leider viele ältere Leute. Die beiden Töchter seien aus dem Haus, Freunde mit der Zeit weggestorben. „Wir möchten einfach etwas Leben in unserem Einfamilienhaus“, sagte das Paar zum Hamburger Abendblatt. „Ein bisschen Gesellschaft, das wäre schön.“ Es haben sich zwar schon viele Interessenten auf die Anzeige gemeldet, ein geeigneter Kandidat ist bisher aber noch nicht gefunden worden.

 

 

Mieter statt Knackis

Hamburg – „Knackis raus, Mieter rein!“ prangte in dicken Lettern auf der Titelseite der Hamburger Morgenpost vom 8. April 2010. SPD, Linke und FDP wollten in dem legendären Knast in Hamburg-Fuhlsbüttel 500 neue Wohneinheiten bauen, so der Tenor der Geschichte. Gemeinsam brachten die drei Fraktionen im Hamburg Bezirk Nord den Antrag ein, die Justizvollzugsanstalt „Santa Fu“ aufzulösen. Schließlich sei der Leerstand im Gefängnis groß – rund ein Drittel der Hamburger Gefängniszellen stehen leer -, während die Mietpreise in der Hafenstadt an der Elbe explodierten.

 

Doch in der Bezirksversammlung scheiterte der Plan. Die Linke wollte ihrem eigenen Antrag nicht mehr zustimmen. Kritik an dem Vorhaben hatte sie ängstlich gemacht. Die Zellen stehen nun weiter leer und Hamburgs Mieter immer häufiger auf der Straße.

 

Wohnen im Bunker

Bremen – Bunker schirmen mit ihren meterdicken Stahlbetonwänden die darin liegenden Räume nahezu komplett von der Außenwelt ab. Von innen dringt auch kaum etwas nach draußen. Vielleicht sind das die Gründe, die neue Bewohner anlocken, in die Relikte eines dunklen Zeitalters zu ziehen.

 

Der Bremer Architekt Rainer Mielke und sein Kollege Claus Freudenberg haben viele Erfahrungen mit dem Umbau von Bunkern gesammelt. Mielke wohnt selbst in einem. Derzeit baut er einen in der Roonstraße in Bremen um. Bis Ende des Jahres sollen dort sieben Wohnungen mit einer Wohnfläche von 100 bis 150 Quadratmetern entstehen, dazu Dachterrassen, Balkone und ein Garten. Einen im Bremer Stadtteil Findorff von den Architekten umgebauten Bunker nutzen Bands heute, um darin ungehindert zu proben.

 

Bunker gelten vor allem als einbruchsicher. Dies weiß der Berliner Kunstsammler Christian Boros für sich zu nutzen. Ein Bunker im Berliner Regierungsviertel beherbergt seine Kunstsammlung, er selbst wohnt mit seiner Frau in einer Penthouse-Wohnung auf dem Dach.

 

 

Strafanzeige gegen Vermieter

Hamburg - Die für die Betreuung der Hartz-IV-Empfänger zuständige Arbeitsgemeinschaft in Hamburg hat jetzt Strafanzeige gegen den Hamburger Vermieter Thorsten Kuhlmann erstattet. Ihm wird vorgeworfen, Wohnungsgrößen falsch angegeben zu haben, um dadurch mehr Miete von der Arge zu kassieren. Die MieterZeitung berichtete in der letzten Ausgabe. Die Berichterstattungen in den Medien über das seltsame Gebaren des Vermieters ließ nun die Arge aktiv werden. Sie überprüft alle Wohnungen und Mietverträge. Die Arbeitsgemeinschaft will auch zivilrechtlich gegen Kuhlmann vorgehen und die zu viel gezahlte Miete einklagen.

 

 

A little bit Gaga

New York - Wetten, dass auch in Deutschland schon bald die ersten Hähne mitten in der Großstadt die Menschen bei Sonnenaufgang aus dem Schlaf reißen? Nämlich dann, wenn der neue Trend aus den USA mit der üblichen zeitlichen Verzögerung zuerst den alten Kontinent und dann Deutschland erreicht. In einigen nordamerikanischen Staaten liegt das Halten von Hühnern im Hinterhof oder auf dem Dach mitten in der Großstadt voll im Trend. Wer dort in ist, kauft seine Eier nun nicht mehr im Super- oder Biomarkt ein. Die eigenen Hühner liefern tagtäglich das frische Frühstücksei. Inzwischen erlauben viele Großstädte das Halten von vier bis sechs Hühnern.

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Ausgabe Juni 2010

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