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MieterZeitung April 2010Starke Stücke
Abgezockt und ausgenutzt
Hamburg – Wer ganz unten angekommen ist, findet nur selten noch eine Wohnung. Selbst dann, wenn die Städte im Rahmen von Hartz IV die Kosten der Unterkunft bezahlen. Mit der Not der Menschen lässt sich für ausgebuffte Vermieter jedoch noch Geld scheffeln.
Thorsten Kuhlmann (47) ist irgendwann auf eine neue und lukrative Geschäftsidee gekommen. Seine Grundstücksgesellschaft hat sich auf die Vermietung an Hartz-IV-Empfänger spezialisiert. In und um Hamburg besitzt er mehr als 500 Wohneinheiten.
Damit macht der CDU-Politiker eine Menge Geld. Die Wohnungen sind völlig überteuert, die meisten in einem desolaten Zustand. Die in den Mietverträgen angegebenen Wohnungsgrößen stimmen fast nie, berichteten übereinstimmend verschiedene Hamburger Tageszeitungen.
Das System Kuhlmann ist einfach: So soll er zum Beispiel für eine laut Mietvertrag 70 Quadratmeter große Bruchbude 720 Euro warm verlangt haben, während es in Wahrheit nur 56 Quadratmeter waren. Die meisten Mieter halten still, weil sie Angst haben, selbst noch diese Bruchbuden zu verlieren. Und die Arbeitsgemeinschaft von Stadt und Bundesagentur für Arbeit zahlt anstandslos und ohne Prüfung.
So auch 850 Euro für eine Keller-WG. Auch hier der immer wieder gleiche Trick des Vermieters, der sich selbst als Wohltäter sieht. Statt 40 Quadratmeter haben die Mieter nur 16. Es gibt keine Küche, keine Spüle. Der einzige Zugang zu frischem Wasser befindet sich auf dem Klo. Ungesicherte Elektrokabel baumeln überall herum.
Vermutlich darf dieses Loch gar nicht vermietet werden. Im Herbst 2009 war das Bezirksamt Wandsbek bereits gegen den Vermieter eingeschritten, als bekannt wurde, dass er in einem Haus in Eilbek Menschen in einem Keller untergebracht hatte.
Der Fall, der in den vergangenen Wochen tagelang die Gazetten füllte, wirft aber auch kein gutes Licht auf die Arbeitsgemeinschaften, die für die Zahlungen des Arbeitslosengeldes II zuständig sind. Penibel geprüft wird, ob die in Mietverträgen angegebenen Quadratmeter und Mietpreise nicht die zulässigen Höchstgrenzen überschreiten. Ob die Wohnung tatsächlich so groß ist, prüft keiner. Auch nicht, ob die Wohnung menschenwürdig ist.
Jetzt wird abgerissen
Forst – Nach einem 15-jährigen Rechtsstreit muss jetzt ein zum Wohnhaus ausgebauter ehemaliger Konsum-Markt im Spremberger Ortsteil Weskow (Landkreis Spree-Neiße) abgerissen werden. Ein Nachbar hatte das Verfahren in Gang gesetzt, weil er den geringen Abstand zu seinem Wohnhaus nicht hinnehmen wollte.
Das Ehepaar, das in der Wohnung über dem Konsum wohnt, wird dadurch wohnungslos. Die Wohnung hatte das Paar seinerzeit dort errichtet, nachdem die zuständige Behörde das Wohngeschoss genehmigt hatte. Die Genehmigung war nicht gesetzeskonform. Das Verwaltungsgericht in Cottbus verfügte zunächst nur den Abriss der Wohnung.
Doch weil sich die zuständige Behörde weigerte, das Urteil zu vollziehen, verfügte das Gericht nach weiteren fünf Jahren den Abriss des gesamten Gebäudes. Dem Landrat drohte es ein Zwangsgeld an. Am 22. April rollen nun die Abrissbagger an. Das Ehepaar sucht gleichzeitig nach einer neuen Wohnung und muss auch noch das Bankdarlehen für Hausausbau zurückzahlen. Auch der Abriss kostet eine fünfstellige Summe. Das Paar hat die Kreisverwaltung nun auf Schadensersatz verklagt.
Menschliche Wärmflaschen
London – Der bitterkalte britische Winter machte es möglich: Damit die Gäste der Hotelkette “Holiday Inn” nicht ins kalte Bett müssen, steigen speziell geschulte Angestellte für fünf Minuten in die Federn, um das Gästebett aufzuwärmen. Durch die “riesige menschliche Wärmflasche” werde aus der eisigen Schlafstätte im Nu ein kuscheliges Bettchen, erläutert eine Sprecherin der Hotelkette. Damit die Hotelgäste keine hygienischen Bedenken vorbringen können, sind diese “Wärmeflaschen” mit Handschuhen, Schlafmützen und weißen Strampelanzügen bekleidet.
Wohnblock wird zur Voliere
Berlin – Binnen eines Jahres haben französische Künstlerinnen und Künstler der CitéCréation gemeinsam mit Bewohnern der Neuköllner High-Deck-Siedlung einen schmucklosen Bau in ein Kunstwerk verwandelt. Entstanden ist nicht nur ein farbenfrohes Wohnensemble, geschaffen wurden auch acht Ausbildungsplätze für benachteiligte Jugendliche aus dem Quartier. Das Motiv für die Fassadenmalerei entstand in mehreren Workshops gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Hauses.
Vorbild für das Projekt ist die französische Stadt Lyon. Hier war es Künstlern der CitéCréation gelungen, durch Fassadenmalerei einen Problemkiez in eine beliebte Wohnadresse mit touristischer Magnetwirkung umzuwandeln.
Der „Immobilienmanager“ zeichnete das Wohnhaus der Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land jetzt mit dem Award 2010 in der Kategorie „Social Responsibility“ (Soziale Verantwortung) aus. |
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