Zeitungen

Mieterzeitung Oktober 2009

Starke Stücke

82 Jahre

 

Köln – Seit 82 Jahren lebt der 90-jährige Wilhelm Seifert in seiner 45 Quadratmeter großen Wohnung in Köln-Ehrenfeld. 1927 zog er mit seinen Eltern und vier Geschwistern in die kleine Wohnung ein. Etwas über 300 Euro zahlt er heute für die 45 Quadratmeter an die GAG. Und obwohl er in seinem Alter nicht mehr gut zu Fuß ist, heizt er immer noch mit Briketts. Mehrmals in der Woche hilft ein Betreuer bei den notwendigen Besorgungen. Das Boulevardblatt Express nennt ihn wohl zu Recht Kölns treuesten Mieter.

 

72 Jahre wohnt August Wächter in seiner 87 Quadratmeter großen Wohnung in Köln-Bickendorf. Am 15. Oktober 1937 zog er mit Oma, Onkel und Eltern ein. 1947, nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft, glich die Wohnung einer Ruine. Gemeinsam mit seinem Vater machte er die Wohnung wieder bewohnbar. Im Oktober des gleichen Jahres heiratete er seine Frau Adele.

 

Raus aus der Wohnung wollte er eigentlich nie. Früher, da hätte sie selbst schon gerne mal etwas anderes gesehen und einen kleinen Neuanfang gewagt, sagt seine Frau Adele. „Hier kriegt mich keiner raus!“, sagt dagegen der 86-jährige August Wächter.

 

Künstler besetzen Häuser

 

Hamburg – Ende August haben rund 200 Künstler in der Hamburger Innenstadt Häuser im Gängeviertel besetzt. Unter dem Motto „Komm in die Gänge“ machte die Künstlerinitiative auf die Raumnot Hamburger Künstler aufmerksam und möchte gleichzeitig die zwölf Gebäude vor dem Verfall retten. Die Künstlerinitiative will darin ein Kunst- und Kulturzentrum einrichten.

 

Angeführt werden sie von dem bekannten Maler Daniel Richter, einem ehemaligen Hausbesetzer der Hafenstraße, der heute als kreativer Superstar der modernen Kunst und Botschafter Hamburgs in der Welt gilt.

 

In einem ersten Gespräch einigten sich die Künstler mit der Stadt darauf, dass die Häuser vorläufig hergerichtet und den Künstlern angeboten werden. Eigentümer der Häuser ist der niederländische Investor Hanzevest, der die Gebäude von der Stadt gekauft hat. Er will dort Büros und Wohnungen bauen, wenn er das dafür notwendige Geld zusammenbekommt. Rund 80 Prozent der historischen Gebäude sollen dann abgerissen werden.

 

Das Häuser-Ensemble ist das letzte Zeugnis der Gängeviertel, die früher das gesamte Stadtbild Hamburgs bestimmt haben. Die Hamburger Gängeviertel wurden bis 1900 vornehmlich von Hafen- und Gelegenheitsarbeitern bewohnt. Wegen der zunehmenden Verslumung und hohen Kriminalität in den Gängevierteln wurde Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst das Hafen-Gängeviertel der Neustadt-Süd abgerissen. Dann folgte die Altstadt-Ost und schließlich während der Nazi-Diktatur die nördliche Neustadt.

 

103-Jährige darf bleiben

 

Stuttgart – Noch kurz vor Weihnachten wollte ein Vermieter seine 103 Jahre alte Mieterin und deren 65-jährigen Sohn aus seiner Wohnung heraushaben. Er machte Eigenbedarf geltend. Doch ein halbes Jahr später ist die Welt für die Mieterin und ihren Sohn wieder in Ordnung. Nachdem die Medien ausführlich über die Kündigung berichteten, ließ er über den Verein Haus & Grund erklären, dass er auf die Durchsetzung der Kündigung per Räumungsklage verzichte.

 

Der 65-jährige Sohn, der seine 103 Jahre alte schwerbehinderte Mutter seit Jahren pflegt, ist erleichtert. Wenn seine Mutter, die seit über 50 Jahren in der Altbauwohnung lebt, hätte ausziehen müssen, „würde sie keinen Monat überleben“, sagt Jörg-Michael Zentgraf.

 

Stuttgarts Mietervereinschef Rolf Gaßmann spricht von einem besonderen Fall von „Herzlosigkeit“ und „Kaltschnäuzigkeit“. Der Vermieter, der die Wohnung erst vor einigen Jahren gekauft habe, hätte gewusst, dass dort eine alte pflegebedürftige Mieterin wohne.

 

Minihaus kostet Millionen

 

Kampen/Sylt – Ein 30 Quadratmeter großes Häuschen auf einem 2.400 Quadratmeter großen Grundstück in Kampen auf Sylt sorgt derzeit weltweit für Schlagzeilen. Das Haus mit dem Namen „Waterküken“ soll nämlich verkauft werden. Für 6,3 Millionen Euro. Nicht das Haus bestimme den Preis, sondern die Lage, erklärt der Eigentümer. Das Haus stehe mitten in den Dünen mit einem unverbaubaren Blick auf das Meer.

 

Viel Geld will auch der Besitzer des sogenannten „Skinny House“ in New York. 2,75 Millionen Dollar (rund 1,9 Millionen Euro) soll das 2,74 Meter breite und 12,8 Meter tiefe zweistöckige Haus in der Bedford Street kosten. Das Haus, das in jedem New Yorker Reiseführer steht, wurde 1873 gebaut und ist das schmalste der Stadt. Zu den Bewohnern gehörten unter anderem die Schauspielerin Drew Barrymore und Gary Grant.

 

Kamera muss weg

 

Frankfurt/Main – Weil es die Persönlichkeitsrechte einer Mieterin verletzt sah, verurteilte das Amtsgericht Frankfurt (Az: 30 C 3173/08-47) einen Mieter, die an seinem Küchenfenster angebrachte Videokamera zu entfernen. Allein die Existenz einer solchen Anlage beeinträchtige bereits deren Persönlichkeitsrecht, so das Gericht. Dieses Recht stehe auch über einfachen Vermögensinteressen. So hatte der Mieter die Anbringung der Kamera damit gerechtfertigt, dass er damit den gegenüberliegenden Biergarten, den seine Tochter betreibe, überwachen wolle. In dem Biergarten sei es schon mehrfach zu Straftaten, unter anderem Zechprellerei, gekommen.

 

Teures Getwitter

 

Illinois – Motzen auf Twitter – das kann zumindest in den Vereinigten Staaten teuer werden. 50.000 Dollar (rund 35.000 Euro) soll jetzt eine Mieterin in Cook im US-Bundesstaat Illinois an Schadensersatz zahlen, weil sie auf Twitter über Schimmel in ihrer Wohnung klagte. Die Immobilienfirma wirft der Mieterin vor, eine falsche Nachricht abgesetzt zu haben, die das Ansehen der Firma schädige.

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