MieterZeitung April 2012

Editorial

Für viele unbezahlbar

 

Energie ist so teuer wie noch nie. Der Liter Heizöl kostete zuletzt fast einen Euro. Die Preise für Erdgas sind im letzten Jahr um sechs Prozent gestiegen. Die Kilowattstunde Strom schlägt mit 25 Cent zu Buche. Benzin und Diesel erreichen Woche für Woche neue Höchstpreise.

 

Die Energiepreise werden für immer mehr Menschen unbezahlbar. Ihr Budget reicht nicht aus, um die Wohnung warm zu halten. Die monatlichen Abschlagszahlungen für den Strom übersteigen ihre finanziellen Möglichkeiten. Spätestens am Ende des Jahres, wenn die obligatorische Nachzahlung fällig wird, droht das finanzielle Aus.

 

Wie viele ihre Energierechnungen nicht mehr bezahlen können, ist nicht genau auszumachen. Beim Strom gibt es jetzt Schätzungen. Danach sind 600.000 bis 800.000 Haushalte zeitweise ohne Strom, weil der Stromversorger sie vom Stromnetz abgeschnitten hat. Sie konnten ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen. Ähnlich ergeht es auch vielen, die über eine eigene Gastherme in der Wohnung verfügen, wenn der Gaslieferant kein Geld mehr von ihnen bekommt. Das Problem ist seit längerem bekannt. Experten sprechen in diesem Fall von einer sogenannten Energiearmut. Wer sich Energie nicht mehr leisten kann, der wird buchstäblich davon abgeschnitten.

 

Der Zugang zur Energie ist für jeden Menschen genauso wichtig und von existenzieller Bedeutung wie der Besitz einer eigenen Wohnung oder der Zugang zur Gesundheitsvorsorge. Der Mensch braucht Energie zum Heizen, zum Kochen, aber auch zur Teilhabe an alten und neuen Kommunikations- und Informationsformen. Ohne Strom geht kein Telefon mehr, kein Fernsehen oder Radio hören ist möglich.

 

Genauso, wie die Politik Sorge dafür zu tragen hat, dass jeder angemessen Wohnen kann, jeder die bestmögliche Gesundheitsvorsorge erhält, so muss sie auch Möglichkeiten schaffen, dass jeder eine bestimmte Menge Energie als Grundversorgung erhält. Der Deutsche Mieterbund macht sich deshalb dafür stark, dass jeder Haushalt abhängig von seiner Größe eine bestimmte Menge Strom zu günstigen Konditionen bekommt. Wer mehr verbraucht, muss dafür deutlich mehr als den Grundversorgungspreis zahlen.

 

Die immer teurer werdende Energie führt auch zu ständig steigenden Heizkosten. Viele Mieter müssen die Heizung runter drehen oder sie stellen sie gleich ganz ab, weil sie fürchten, dass sie am Ende des Jahres das Geld für die Nachzahlung nicht aufbringen können. Darunter sind immer mehr alleinstehende ältere Menschen, deren Rente nicht reicht, die hohen Energiekosten zu bezahlen. Hier ist der Gesetzgeber gefordert. Die Heizkosten müssen wieder in die Berechnung des Wohngeldes einfließen.

 

 

Ihr

Lukas Siebenkotten

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