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MieterZeitung Dezember 2011

Editorial

Geringe Wertschätzung

 

Da wendet sich eine Rentnerin in ihrer Not an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Nach einem 40 Jahre währenden Arbeitsleben reicht es für sie gerade so, dass sie sich eine bescheidene Zweizimmerwohnung in Heidelberg leisten kann. Weitere Kostensteigerungen bei Strom, Gas, Wasser und der Miete kann sie nicht mehr bezahlen.

 

Die Antwort aus dem Kanzleramt kommt prompt und endet mit einem eiskalten Rat: Die Rentnerin soll sich doch eine billigere Wohnung in einer preiswerteren Stadt suchen. Viele Bürger würden bei Erreichen der Altersgrenze, nicht zuletzt aus finanziellen Gründen, stark nachgefragte Ballungsgebiete verlassen. Es gäbe Regionen, in denen das Mietniveau im Vergleich zu Heidelberg um die Hälfte niedriger sei.

 

Meine erste Reaktion darauf: Erstaunen und Zweifel, ob das wirklich so gemeint ist. Doch dann wurde mir klar: Diese Antwort zeugt von einer äußerst geringen Wertschätzung des Kanzleramtes für Menschen, die ein Leben lang hart gearbeitet haben. Alt, nicht finanzkräftig genug, abgeschoben – soll so die Zukunft der älteren Menschen in Deutschland aussehen?

 

Dieser Rat, aus der vertrauten Umgebung, aus der Heimat wegzuziehen, ist eine schlimme Entgleisung. Im Kanzleramt akzeptiert man einfach, dass die Rente nach einem jahrzehntelangen Arbeitsleben nicht reicht, sich eine bescheidene Zweizimmerwohnung zu leisten. Damit stellt sich die Politik selbst ein Armutszeugnis aus.

 

Die Politik schnürt Milliarden-Rettungspakete für marode Banken, deren Manager sich an den Finanzmärkten verzockt haben. Da gibt die Bundesregierung Milliarden aus, um marode Staaten vor dem Ruin zu retten. Die Rentnerin, die 40 Jahre gearbeitet hat, lässt sie im Stich.

 

Eine vornehme Aufgabe eines sich sozial nennenden Staates ist es, dass jeder angemessen wohnen kann. Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Dies kann nicht dadurch erfüllt werden, dass Menschen im Alter aus ihrer Heimat gewissermaßen abgeschoben werden.

 

Bundeskanzlerin Merkel, ihren Kolleginnen und Kollegen in der Koalition, vor allem aber auch ihrem Bauminister, sei ins Stammbuch geschrieben, dass die Mieterinnen und Mieter ihre Arbeit daran messen werden, wie sicher und bezahlbar das Wohnen ist und bleibt.

 

Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest und vor allen Dingen alles Gute und Gesundheit im neuen Jahr.

 

Ihr

Lukas Siebenkotten

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Ausgabe Dezember 2011

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