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MieterZeitung Oktober 2010

Editorial

Die Zeit drängt

 

Horrormeldungen über explodierende Mieten schreckten dieser Tage die Mieterinnen und Mieter in vielen Großstädten auf. Diese Meldungen  waren zwar beunruhigend, doch kein Mieter muss darauf mit Panik reagieren. Die hohen Mietsteigerungen betreffen zunächst nur Mieter, die eine neue Wohnung in einigen wenigen ausgewählten Städten anmieten wollen oder müssen. Das Gros der Bestandsmieter muss sich davor zunächst nicht fürchten.

 

Handeln ist jetzt dennoch angesagt – und zwar zügig. Wenn die Vermieter beim Mieterwechsel kräftig zulangen können, dauert es nur eine gewisse Zeit, bis die Mieten dann auch auf breiter Front steigen. Denn die neuen Mieten bilden die Basis für die Fortschreibung alter und die Erstellung neuer Mietspiegel. Auf diese Weise steigt das gesamte Mietenniveau in der Stadt.

 

Wenn die steigenden Mieten in einigen wirtschaftlich wachsenden Regionen auch kein Grund zu Panik sind, muss man dennoch mit großer Sorge auf die Entwicklung schauen. Denn wenn die Wohnungspolitik jetzt nicht reagiert, werden die Wiedervermietungs- und Erstvertragsmieten in Regionen mit einer hohen Nachfrage immer schneller steigen und explodieren.

 

Vermieter können vor allem dort die Mieten erhöhen, wo Wohnungen Mangelware sind, wo in den letzten Jahren zu wenig neuer Wohnraum gebaut wurde. Das war in vielen Großstädten und vielen Ballungsräumen der Fall. Dort steigt die Zahl der Haushalte. Immer mehr Menschen leben alleine. Die Zahl der Wohnungen stagniert dagegen.

 

Die Wohnungspolitiker in Bund und Ländern müssen deshalb vor allem da, wo jetzt die steigenden Mieten Wohnungsengpässe anzeigen, den Wohnungsbau wieder ankurbeln. Die Instrumente dazu: gezielte Investitionslagen, steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten oder die direkte Förderung preiswerten Wohnraums in Form des sozialen Wohnungsbaus.

 

Noch sind es wenige Regionen und kleine Marktsegmente, in denen die Mietpreise immer schneller steigen. Doch wenn die Politik weiter tatenlos zusieht, kann daraus eine breite Mieterhöhungswelle werden.

 

Schon heute sind hunderttausende von Haushalten überfordert. Sie können bereits jetzt auf dem Wohnungsmarkt nicht mehr mithalten. Je schneller die Preise steigen, desto größer wird die Zahl derjenigen, die dann auf den Märkten keine Chance mehr haben. Die daraus resultierenden Probleme baden einmal mehr die Kommunen aus.

 

Ich fordere deshalb nicht nur die Politiker im Bund und Ländern zum Handeln auf, sondern auch die in den Kommunen. Sie müssen, wenn ihre Parteifreunde in Bund und Land nichts tun, diese zum Handeln zwingen.

 

Ihr

Lukas Siebenkotten

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Ausgabe Oktober 2010

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