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Mieterzeitung August 2008

Editorial

Die große Herausforderung

Neun von zehn in verschiedenen Studien befragte ältere Menschen wollen jetzt und auch in Zukunft in ihrer vertrauten Wohnung bleiben. Sie wünschen sich ein selbstbestimmtes Wohnen auch noch im hohen Alter.

 

Dies sicherzustellen, ist angesichts der demographischen Entwicklung die wohl größte Herausforderung der Wohnungswirtschaft und der Wohnungspolitik. Denn die meisten Wohnungen im Bestand sind nicht altengerecht. Sie müssen an die Bedürfnisse der Älteren angepasst werden. In vielen Fällen müssen sie behindertengerecht ausgestattet werden.

 

Für die Wohnungsunternehmen ist dies nur vordergründig eine finanzielle Belastung. Auf Dauer werden sich Investitionen aufgrund der steigenden Anzahl immer älter werdender Menschen für diese Unternehmen rechnen.

 

Rechnen werden sich auch Investitionen in alternative Wohnformen. Gerade alte Menschen bedürfen oft der Hilfe anderer. Gemeinschaftliche Wohnformen, bei denen der eine dem anderen hilft, sind Wohnformen der Zukunft. Wenn sich dies noch mit Mehrgenerationenwohnen verbinden lässt, umso besser.

 

Der Verlust der Wohnung im hohen Alter ist für viele Ältere eine reale Gefahr. Die Angst, umziehen zu müssen, weil die lieb gewonnene Wohnung unbezahlbar wird, ist deshalb groß. Notwendige Modernisierungsmaßnahmen führen zu höheren Mieten, die Explosion der Energiekosten treibt die Wohnkosten wieder in die Höhe. Die Renten, meist das einzige Einkommen eines Normalbürgers im Alter, stagnieren dagegen; die Kaufkraft der Rentnerinnen und Rentner sinkt.

 

Wohnen im Alter ist deshalb vor allem auch ein sozialpolitisches Thema. Die Wohnkaufkraft der Rentnerinnen und Rentner über das Wohngeld zu stärken ist unumgänglich. Von daher war es äußerst wichtig, dass die Politik – vor allem auf Drängen des Deutschen Mieterbundes – die Notwendigkeit einer Erhöhung des Wohngeldes eingesehen und die entsprechende Gesetzesänderung beschlossen hat.

 

Richtig ist, dass nun erstmals auch Heizkosten zumindest pauschal beim Wohngeld berücksichtigt werden. Das allein reicht aber nicht, um das Übel bei der Wurzel zu packen. Die steigenden Energie- und Heizkosten können auf Dauer nur durch die energetische Sanierung des Wohnungsbestandes gemildert werden. Finanzierbar ist sie für das Gros der Mieter nur, wenn die erforderliche Sanierung mit staatlichen Fördermaßnahmen unterstützt wird.

 

Die gezielte Förderung der energetischen Sanierung des Wohnungsbestandes hilft auf Dauer nicht nur den Älteren. Sie hilft auch den Jüngeren, den Familien mit Kindern, sie hilft letztendlich allen Mietern.

 

 

Ihr

Dr. Franz-Georg Rips

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