Zeitungen

Mieterzeitung Februar 2009

Editorial

Familiengerechte Wohnungen

Lukas Siebenkotten

Maklerpräsident Jens-Ulrich Kießling macht es sich vielleicht doch etwas einfach, wenn er sagt, dass Makler nur eine Präferenz hätten und die hieße „solide Mieter“. Im Zweifelsfall sei es den Maklern vollkommen egal, ob ein gut verdienendes Paar, ein Single oder eine Familie mit Nachwuchs die Wohnung bekomme.

 

Die Umfrage eines großen Immobilienportals spricht eine andere Sprache. Danach haben Deutschlands Makler ganz klare Präferenzen. Die Konsequenz daraus ist: Familien mit Kindern haben es bei der Wohnungssuche deutlich schwerer als kinderlose Paare. Jeder dritte deutsche Makler bevorzugt nämlich kinderlose Lebensgemeinschaften. Hoch im Kurs stehen auch Rentnerpaare. Über 30 Prozent der Makler favorisieren sie bei der Wohnungsvermittlung. Nur jeder vierte Makler gibt an, dass ihm Paare mit Kindern am liebsten sind.

 

Es wäre aber falsch, den Maklern allein den Schwarzen Peter zuzuschieben und zu behaupten, sie seien an der Benachteiligung der Familien mit Kindern auf dem Wohnungsmarkt schuld. Da sind in erster Linie die Vermieter zu nennen. Sie sind die Auftraggeber der Makler. Und viele Vermieter wollen keine Kinder in ihren Mietwohnungen, weil diese manchmal lärmen oder weil sie fürchten, dass ihre Wohnungen schnell abgenutzt werden. Es sind die Vermieter, die die Spielregeln bei der Vermietung vorgeben. Die Makler erfüllen nur einen Auftrag.

 

Es gibt aber auch die Mitbewohner eines Mehrfamilienhauses, also Mieter, die keine Kinder im Haus wünschen. Dann kommen Vermieter nur den Wünschen ihrer Mieter nach, wenn sie nicht an Mieter mit Kindern vermieten. Schließlich hat kein Vermieter Interesse an vermeidbaren Konflikten mit seinen Mietern.

 

Und noch ein Problem kommt hinzu: Beim Wettbewerb um Wohnungen in guter oder bester Lage in Ballungsräumen können Familien mit Kindern nur selten finanziell mithalten. Da ist das zahlungskräftige gut verdienende Paar ohne Kinder meist im Vorteil.

 

Hier ist die Politik gefragt. Sie ist nicht nur gefordert zu verhindern, dass immer mehr Familien mit Kindern finanziell ins Hintertreffen geraten, sondern auch, in den Städten mehr bedarfsgerechten und bezahlbaren Wohnraum für Familien mit Kindern zu schaffen.

 

Im Übrigen: Nicht alle Makler lassen sich von Vorurteilen leiten. Über 36 Prozent haben keine Prioritäten. Auch das ist ein Ergebnis der Untersuchung.

 

Besser wäre: Alle Makler hätten keine Vorurteile. Und alle Vermieter nicht. Und auch nicht die Mitmieter. Erst dann hätten Familien mit Kindern wieder gleiche Chancen.

 Impressum   Schrift 
- A +
 Suche 

Aktuelle MieterZeitung

aktuelles Titelbild

Alle 2 Monate neu 

Für Mitglieder oft kostenlos. Fragen Sie Ihren Mieterverein!

ABO für 8 € / Jahr
Bestellen im Shop hier >>