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Wohnkosten und Energiepreise

 

2005 mussten Mieter für ihre Wohnung durchschnittlich 2,9 Prozent mehr zahlen als im Vorjahr. Das ist mit Ausnahme der Jahre 2000 / 2001 die höchste Steigerungsrate der letzten 10 Jahre. Gegenüber den Vorjahren 2004 und 2003 (jeweils 1,5 Prozent) hat sich die Steigerungsrate für die Warmmiete nahezu verdoppelt.
Die hohen Kosten für die Warmmieten sorgen auch dafür, dass der allgemeine Preisanstieg mit 2,0 Prozent deutlich stärker ausfällt als in den Vorjahren. Es ist – nach 2001 – der zweitstärkste Preisanstieg der letzten 10 Jahre.

Dabei verläuft die reine Mietpreisentwicklung wie schon in den Vorjahren relativ moderat. Grundmieten oder auch Bruttokaltmieten weisen eine Steigerungsrate von jeweils 1,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf.
Mieterbund-Direktor Dr. Franz-Georg Rips: „Die bundesweite Steigerung der Kaltmieten um ‚nur’ 1 Prozent darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die Mieten in Ballungsgebieten und Universitätsstädten auch 2005 drastisch schneller gestiegen sind. Das gilt vor allem für die mittleren Preissegmente, die verstärkt nachgefragt werden.“

Sorgen bereiten dem Deutschen Mieterbund hier vielfach so genannte Modernisierungs-Mieterhöhungen, die Mieten gerade in nachfragestarken Städten, wie zum Beispiel München, noch über die Grenzen der ortsüblichen Vergleichsmiete hinaus treiben. „Modernisierungen müssen ihr Geld wert sein“, forderte Rips. „Wenn mehr Miete für eine Energie sparende Baumaßnahme gezahlt werden soll, dann muss es für den Mieter auf der anderen Seite aber auch zu spürbaren Einsparungen bei den Energie- und Heizkosten kommen.“

Kostenexplosion bei Öl und Gas

Hauptverantwortlich für die steigenden Wohnkosten sind die im letzten Jahr drastisch gestiegenen Energiepreise.
„Für den Winter 2005 müssen Mieter mit spürbaren Nachzahlungen im dreistelligen Bereich rechnen“, prognostizierte der Mieterbund-Direktor. „Bei einer ölbeheizten, 90 Quadratmeter großen Wohnung rechne ich mit zusätzlichen Kosten von rund 300 Euro, bei 100 Quadratmetern mit Mehrkosten von 330 Euro. Bei Gasheizungen dürften die Nachzahlungen durchschnittlich 100 bzw. 110 Euro betragen.“

Bei den Gaspreisen liegt der Preisanstieg im Jahresdurchschnitt 2005 bei 10,4 Prozent, gegenüber 1,0 Prozent im Vorjahr. Die Ölpreise liegen im Jahresdurchschnitt sogar rund 32 Prozent über denen des Jahres 2004, obwohl sie schon damals um 11,4 Prozent über den Zahlen von 2003 lagen.
„Auch für 2006 kann aus jetziger Sicht keine Entwarnung gegeben werden. Zahlreiche Energieversorger haben die Gaspreise zum Januar 2005 um 5 bis 10 Prozent angehoben, obwohl über die letzte Preiserhöhungsrunde, z. B. im Herbst 2005, noch gerichtliche oder kartellrechtliche Entscheidungen ausstehen. Und auch der aktuelle Heizölpreis – Anfang Januar 2006 – liegt mit etwa 57 Euro pro 100 Liter schon rund 25 Prozent über dem Januarpreis des Jahres 2005“, so Rips.

Angesichts der explodierenden Energiekosten reicht es nicht aus, Verbraucher zu sparsamem Heizverhalten aufzurufen oder auf Preissenkungen der Energieversorger oder Produzenten zu hoffen. „Wir brauchen spürbare Anreize und Fördermaßnahmen zu Energieeinsparungen und Modernisierungen im Wohnungsbestand“, erklärte Rips. „Deshalb begrüßen wir auch das von der Bundesregierung beschlossene Gebäudesanierungsprogramm, mit dem jährlich rund 1,4 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werde, um Energiesparmaßnahmen und Wärmedämmungen umzusetzen.
Als weiteren Anreiz für Energie einsparende Baumaßnahmen muss die Bundesregierung jetzt den bedarfsorientierten Energieausweis einführen. Dem energetischen Zustand des Gebäudes muss künftig ein wertbildender Faktor auf dem Wohnungsmarkt zukommen. Transparenz und Vergleichbarkeit können Auslöser für Energie einsparende Investitionen sein. Aus unserer Sicht bietet der Energieausweis eine riesige Chance für mehr Wettbewerb und Innovation, er kann Investitionen im Wohnungsbestand auslösen und damit Arbeitsplätze in Deutschland schaffen“, sagte der Mieterbund-Direktor. „Künftig sollen Mieter vor Anmietung einer Wohnung mit Hilfe des Energieausweises schon erkennen können, wie hoch die Energieeffizienz in dem Wohngebäude ist. Die Fragen, wie teuer wird die Wohnung tatsächlich, welche Heizkosten kommen noch dazu, sollen bei Abschluss des Mietvertrages nicht länger Geheimnis des Vermieters bleiben.“

Rips forderte die Bundesregierung auf, jetzt kurzfristig die Energieeinsparverordnung vorzulegen, damit der bedarfsorientierte Energieausweis bis zum Sommer 2006 eingeführt werden kann. Außerdem forderte der Direktor des Deutschen Mieterbundes:

Den Energieversorgern muss bei ihrer Preispolitik genauer auf die Finger oder in die Kalkulation geschaut werden. Die kartellrechtlichen Überprüfungen müssen verstärkt und verbessert werden. Preis- und Tariferhöhungen dürfen von den zuständigen Ministerien und Behörden nicht „durchgewunken“ werden. Die gestrige Entscheidung des Bundeskartellamtes gegenüber E.ON Ruhrgas zu deren Langzeitverträgen ist wichtig und zeigt in die richtige Richtung.

Der Druck auf die Energieversorger muss aufrechterhalten werden. Die bisherigen Verbraucherproteste gegen die einseitigen Preiserhöhungen, insbesondere der Gasversorger, wie Nichtzahlung der Preiserhöhung oder Zahlung nur unter Vorbehalt, haben dazu geführt, dass die Versorger ihre Kalkulationen vor Gericht offen legen müssen. Hier wird dann das letzte Wort gesprochen.

Die Wettbewerbsbedingungen auf dem Energiemarkt müssen verbessert werden.

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